Einsatz Karditsa Panajiota Kafetzis


KARDITSA 2011


Donnerstag 17.03.2011

Als ich von der Überschwemmung in Karditsa erfuhr, war mein erster Gedanke „was kann ich tun?“ Diesen Gedanken hatten viele und so kam es, das ich mich mit Henni, Eva, Sarah, Martin und Manfred auf den Weg nach Karditsa machte. Alle mit nur einem Gedanken, „Wir wollen helfen!“
Vielleicht war ich die Einzige die wusste, was uns in Griechenland erwarten würde, denn als Griechin, kenne ich die Zustände in Griechenland sind und die Mentalität dort. schließlich habe ich seit Kindesbeinen an mit ansehen müssen, wie dort mit Tieren umgegangen wird.

Am Flughafen in Düsseldorf angekommen, ist die Aufregung und Angst zu spüren die alle umgibt. Während des Fluges nach Thessaloniki kreisen meine Gedanken eher um praktische Dinge, wie zum Beispiel ob das gemietete Auto auch wirklich ein Kombi sein wird, wie gewünscht, ob die Paletten noch rechtzeitig ankommen und ob wir es schaffen werden, nur annähernd helfen zu können. Vor allem aber, ob unser Besuch beim Bürgermeister positiv verlaufen wird.

Am Flughafen in Thessaloniki angekommen, erwartet uns Kosta der Tierschützer aus Kavala, der sich für ein Wochenende frei gemacht hat,
um Evi ebenfalls zu helfen zu. Er ist auch derjenige, der eine Petition ins Leben gerufen hat, die er dem Bürgermeister von Karditsa mit gut 500 Unterschriften vorlegen will.
Nachdem mit dem Mietauto alles geklappt hat, machen wir uns auf dem Weg nach Karditsa. Unterwegs sehe ich einen toten Hund am Straßenrand, Alltag in Griechenland. Gleichzeitig bin ich froh, dass es „nur“ einer ist. Während der Sommermonate sind es Hunderte die dem Verkehr zum Opfer fallen und am Strassenrand elendig, ohne Hilfe, sterben und verwesen.
In Karditsa angekommen, erwartet uns Evi und wie bereits mit Kosta, ist die Begrüßung sehr herzlich ;-)
Nach einem typisch griechischen Essen in einer Taverne, fragt uns Evi ob wir sie noch begleiten wollen, sie müsse noch einige Hunde füttern.
Wir sind natürlich dabei und fahren zu einem Verschlag eines Schäfers und noch bevor wir zu dem Verschlag laufen, finden wir den ersten Welpen….ein wunderschöner wuscheliger weißer Welpe, mit blauen Augen (Niedlichkeitsfaktor von Eisbär Knut) leider sind ihr (wie sich herausstellt ist es ein Mädchen) die Ohren zur Hälfte abgeschnitten worden-was in Schäferkreisen gang und gäbe ist…..macht die Hunde angeblich stärker und hilft gegen Tollwut…..
Der Welpe landet in den Armen von Henni oder ist es Eva, ich weiß es nicht mehr.
Ich folge Evi die mit Futter „bewaffnet“ zu dem Verschlag geht und höre schon das Rasseln einer Kette, an deren Ende ein schwarzer bis auf die Knochen abgemagerter Hund hängt, der vor lauter Freude gar nicht weiss wohin mit sich und mit was er noch wackeln kann, so sehr freut er sich….ich frage mich als ich seinen knochigen Körper durch das Gitter berühre, wie er wohl aussehen könnte, wenn ihn jemand lieben würde und woher er noch diese Energie nimmt sich derart zu freuen…
Evi schmeisst ihm Futter hin und wir hören Welpengejaule. Sie füttert und füttert und nach und nach zählen wir vier Welpen. Hinzu kommen noch 5 Katzen und als ob das nicht schon genug wäre, entdeckt Kostas mit seiner Taschenlampe dazu noch einen angeketteten Hund im hinteren Bereich des Verschlags, der in einem ähnlich schlechten Zustand wie der schwarze Hund im vorderen Teil ist.
Martin, der längst dazu gekommen ist, steigt mit Kostas über den Zaun, Kostas gibt dem anderen abgemagerten Hund zu fressen und macht ihn von der Kette los. Evi und ich fangen durch und am Zaun zwei weitere Welpen und schließlich fangen Kosta uns Martin noch die anderen Beiden.
Das Resume 5 Welpen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft und drei davon mit abgeschnittenen Ohren, aber alle mit dicken Wurmbäuchen…
Während alle sich auf der Weiterfahrt im Auto über den Erfolg der Welpen-Rettungsaktion freuen, bleiben meine Gedanken und mein Herz bei den beiden abgemagerten, kranken und angeketteten Hunden. Deren Schicksal wohl sein wird an dieser Kette zu sterben.



Wir fahren weiter und kommen zu einer verlassenen Hütte, an der sich viele Hunde einfinden, die Evi füttert, auch dort finden Evi und Henni Welpen, aber zum Glück auch noch die passende Mutterhündin, die gefüttert zurückgelassen werden….

Bei Evi angekommen, lernen wir weitere wundervolle Hunde kennen,
hauptsächlich Welpen, verletzte, blinde und auch behinderte Hunde und eine 16 Jahre alte Hündin.Evi zeigt mir ihre mittlerweile 4. abgenagte Couch, sie wohnt in der 5.Etage und den Garten ersetzt eine große Terasse.
Mit selbstverständlicher Gelassenheit, wischt sie die Häufchen und Pfützen die die Tiere dort hinterlassen haben, weg. Wir füttern die Neuankömmlinge, entwurmen sie und fahren nach einem langen und ereignisreichen Tag ins Hotel.


Freitag 18.03.2011

Am Morgen als Evi sich zum Frühstück zu uns gesellt, erzählt sie, dass wir bei unserer nächtlichen Rettungsaktion der Welpen gesehen wurden und sie aus einem vorbeifahrenden Auto erkannt worden wär.
Der Schäfer, der kein böser Mensch sei, aber geistig beschränkt, hätte ihr morgens um 7 Uhr telefonisch gedroht sie wegen Hausfriedensbruch anzuzeigen und so war sie gezwungen erstmal alle Welpen zu ihm zurück zu bringen. Er hat sich dann drei ausgesucht und hat ihr dann gesagt die anderen Beiden könnte er eh nicht gebrauchen, die könnte sie haben.Er hätte schließlich für den einen auch noch Geld gezahlt und ihn einem anderen Schäfer abgekauft.(Es handelt sich um einen schäferhundähnlichen Welpen, den Henni schon Akita getauft hatte, vielleicht 16 Wochen alt, mit fast bis auf den Ansatz abgeschnittene Ohren).
Nun Evi bleibt ruhig und versucht sich durch die Rückgabe der Welpen wenigstens die Möglichkeit offen zu halten, die Hunde füttern zu können und dadurch alles im Blick zu haben um dann wieder bei Bedarf handeln zu können,ohne Zeugen zu haben.

Dann steht der Besuch beim Bürgermeister an und Evi erzählt mir auf dem Weg dorthin, das ihr ganz übel ist, so aufgeregt ist sie.
Ich selber muss leider gestehen, dass ich nicht viel Hoffnung habe, dass unser Besuch dort etwas bewirken wird.Viel zu oft habe ich erlebt, dass das Interesse in die eigene Tasche zu wirtschaften größer ist, als etwas in Gang zu setzen was bei der Allgemeinheit nicht auf großen Zuspruch treffen könnte.
Der Besuch beim Bürgermeister entpuppt sich dann aber als kleiner Erfolg.
Evi trägt ihr Anliegen anfangs sehr unsicher und fast schon resigniert vor, aber als sie merkt, dass sie auf Interesse stösst verändert sich ihre Körperhaltung, Kosta unterstreicht unser Anliegen mit der Petition von 500 geleisteten Unterschriften. Desweiteren wird auf Kommunen hingewiesen die bereits die Unterstützung erhalten haben. Der Bürgermeister wird daran erinnert, dass es um die Durchsetzung der geltende Tierschutzgesetzte geht und gleichzeitig um finanzielle und auch ganz praktische Unterstützung.
Ich übersetze fleissig und die Stimmung lockert sich bei allen, als wir merken, dass wir scheinbar nicht auf taube Ohren stossen.
Es wird versprochen in einem realen Rahmen der Möglichkeiten zu helfen und das Projekt Tierheim zu unterstützen. Der Bürgermeister macht keine großen Versprechungen, was mir die Hoffnung gibt, dass er es ernst meint.
Als wir das Büro des Bürgermeisters verlassen gesellt sich zur allgemeinen Euphorie, bei mir eine riesige Portion Skepsis.
„Papier ist geduldig“ denke ich und in zwei Tagen sind wir wieder weg und Evi ganz alleine.
Ich wünsche mir so sehr, dass der Bürgermeister zu seinem Worten steht!



In der Zwischenzeit, haben wir die Info bekommen, dass die Paletten angekommen sind. Was ein Glück, denn auf denen befinden sich all die Spenden die wir dringend benötigen: Hundehütten, Decken, Futter und vor allem das dringend benötigte Werkzeug!
Evi bekommt bevor wir aufbrechen, einen Anruf von einer Frau die einen ausgesetzten Welpen gefunden hat.
Wir fahren zu dem beschriebenen Ort und Henni findet ein kleines braunes Welpenmädchen mit ganz verängstigstem Blick unter einem Strauch in einem Wasserkanal.
Wieso hat der Anrufer diesen kleinen Wurm nicht selber aus dem Wasser geholt frage ich mich, aber dann beantworte ich mir die Frage selbst, denn diese Verantwortung wird ja gerne an Andere abgewälzt. In Griechenland ganz normal, dafür gib es ja so Leute wie Evi, die verrückt genug sind, sich um die Strassenköter zu kümmern. Das sind Sprüche die ich auch oft genug gehört habe, wenn ich in Griechenland nicht an einem halbverhungerten Hund vorbei fahren konnte, ohne ihm zu helfen.Ich kenne die verständnislosen Blicke und das ungläubige Kopfschütteln, wenn sich jemand für einen Hund so einsetzt. Ich kenne solche Leute die die Welpen aussetzen und dann einen Anruf bei einer großherzigen Tierschützerin tätigen und so tun als ob jemand Anderer den Welpen ausgesetzt hätte.



Wir müssen die Paletten an Evi´s Arbeitsplatz abholen, einer Schreinerei für Kirchenmöbel, die Evi´s Bruder betreibt.
Leider können die Paletten nicht von der Spedition bis zum Tierheim gebracht werden, da es dort keine Wendemöglichkeit für den LKW gibt, so muss Evi die Paletten erst auf den Kleintransporter ihres Bruders laden und dann damit bis zum Tierheim fahren. „Wie mühsam“ denke ich und „was ein Glück“ das es diesen Kleintransporter von Evi´s Arbeit gibt. 


Auf dem hinteren Gelände der Schreinere hat Evi ungefähr 30 Hunde untergebracht. Es sieht ganz gut aus dort.Trockene Gehege mit Hütten für die Hunde. Allerdings ist der Platz auf dem sich ein Spielplatz für Evi´s Nichten und Neffen befindet auch mit Hunden belegt und Evi erzählt mir dass ihr Bruder schon sauer ist, weil am Anfang nur die Rede von „ein paar“ Hunden gewesen sei. Trotzdem bin ich froh, dass ihr Bruder noch die Füsse still hält….
Ich treffe viele Hunde, die ich bereits von Fotos kenne.
Als erstes fällt mir Nikitas auf, ein dreibeiniger schwarz-weißer wunderschöner Rüde, der auf drei Beinen daherhoppelt, als ob das das Normalste der Welt wäre.
Samira, eine süße Pointerhündin, die ich mir größer vorgestellt habe und die auf einem zugemüllten Balkon leben musste, bis Evi sie befreit hat.
Sunny, die mit dem kapputen Ellbogengelenk daherwackelt und eine ganz sanfte Ausstrahlung hat.

Ich sehe Fiwos und Pit, beide Leishmaniose positiv und denke was für nette Hunde mit kaum einer Chance vermittelt zu werden. Sie wedeln alle und bellen ganz aufgeregt, soviel Aufmerksamkeit von sovielen Menschen sind sie nicht gewohnt.
Pit der Dalmatinermix lächelt als ich ihn anspreche, er ist mit Timon in einem Gehege, Timon ist ein kleiner braun-weißer Rüde der den Spitznamen Hüpfdohle von uns bekommen hat, schnell wird klar wieso. Er hüpft wie ein Irrer am Zaun hoch. Er wäre perfekt für jemanden, den einen aktiven, fröhlichen Hund sucht. Ein freches Gesicht, aber ein freundliches Wesen. Mir fällt ein wunderschöner weißer Schäferhund auf und wundere mich warum ich den noch nicht kenne. Evi meint den könnten wir in die Vermittlung aufnehmen, ein wunderschönes Tier mit weißem langem Fell. Aufgeregt bellt er und ich denke: „der bräuchte dringend jemanden der ihn beschäftigt und ihm eine Aufgabe gibt…..“
So schön die Gehege auch sind, kein Hund bekommt die Zuwendung die er braucht.Wie auch.
Ich gehe in das hinterste Gehege und werde Zeugin des ersten Zusammentreffens von Martin mit seinem zukünftigen dreibeinigen Hund Leroy mit. Ein rührender Moment, denn es ist so, als ob sich die zwei gesucht und gefunden hätten.
Leroy hat es geschafft, auch wenn es noch ein paar Wochen dauern wird, bis er nach Deutschland aufbrechen kann.Ich freue mich sehr für diesen „Dreibeiner“. Ich freue mich für Martin und ziehe den Hut vor ihm, denn ein behindertes Tier aufzunehmen ist keine Selbstverständlichkeit!! Auch in Deutschland nicht.


Im selben Gehege befinden sich vier Junghunde: Melly eine blonde hübsche Hündin und ein Geschwistertrio, Mogli, Kendra und Yannik.
Mogli ist weiß, hat einen schwarzen Fleck auf dem Rücken, ist kniehoch und hat große Fledermausohren. „Boah ist die süß“. Gleichzeitig wird mir klar dass sie und ihre schöne schwarz-weiße Schwester Kendra, nicht vermittelbar sind.
Die Beiden starren mich mit angsterfüllten Augen an, und versuchen so schnell wie möglich den größtmöglichen Abstand zu mir zu bekommen.
Sie huschen fast panisch von einer Ecke des Geheges in die Andere.
Ich versuche sie mit Futter zu locken, aber ich sehe und spüre nur Angst und Misstrauen.
Zu wenig Kontakt mit Menschen, oder gar keinen und schon sind sie so scheu wie Wildtiere.
Yannik und Melly haben noch eine Chance, auch wenn sie mir gegenüber auf Abstand bleiben haben sie keine Panik. Später erzählt mir Evi, sie lassen sich von ihr anfassen, aber Mogli und Kendra sind auch panisch bei ihr, sie hatte zu wenig Zeit sich mit ihnen zu beschäftigen als sie noch Welpen waren.:-( Woher soll Evi sich auch noch diese Zeit stehlen?
Mir blutet das Herz.



Liebend gern würde ich die ganze Zeit bei den Hunden bleiben, aber es ist schon später Vormittag und die Zeit drängt. Also brechen wir auf zum Tierheim, Paletten abladen und an die Arbeit gehen.


Im Tierheim angekommen, werden wir von drei Hunden begrüßt, die draussen vor dem Tierheim leben. Einer davon ist ein abgemagerter grauer großer Hund, bei dem es nicht erkennbar ist wie er aussah als er gesund war.
Die Ohrenränder sind blutig, seine Gelenke dick, sein Fell stumpf und kurz, jede Bewegung fällt ihm schwer und trotzdem wedelt er unsicher und stakst uns entgegen. Leishmaniose in ihrer schlimmsten Form, er ist in Behandlung. Er ist in einem wirklich elendigen Zustand. Ich bin froh, dass er ein Plätzchen bei Evi hat und sich nicht selbst überlassen ist, irgendwo im nirgendwo.
Die anderen Beiden sind fröhliche, quirlige, große Hunde, eine davon die listige Penelope, deren Aufgabe es ist das Tierheim zu bewachen. Die Beiden haben ein Zuhause, auch wenn sie draussen vor dem Tierheim leben.



Wir packen alle gemeinsam an, und Ruck Zuck sind die Spenden abgeladen.
Wir brauchen dafür eine halbe Stunde. Evi gut drei Stunden wenn sie das alles alleine machen muss. Das Futter wird auf zwei Paletten gestapelt und abgedeckt und die anderen Sachen wie Spielzeug, Decken, Matten und Handtücher auf einen anderen Stapel gelegt der abgedeckt wird.

Am Tor werden wir von einer ganzen Gruppe Hunde begrüßt, und auch hier erkenne ich viele wieder, die ich bereits durch die Fotos kenne.
Die zurückhaltende Marnie, die immer fröhliche Rattenfängerin Femi, Zaza die Ulknudel, Anastasia die Schmusebacke, Tsobana die Beobachterin, Soula die Lächlerin.



Das erste was auffällt als ich durch das Tor gehe, ist der Schlamm. Überall nur Schlamm, Wasser, Matsch, Kot….
Die Tiere haben noch nicht mal ein trockenes Plätzchen an dem sie ihr Geschäft verrichten können!
Der Weg bis zum Haus geht noch, aber alles andere ein einziger Matsch.
Die Gehege und Durchgänge die zu sehen sind, sind alle voller Schlamm und stehendem Wasser. Nichts läuft ab, nichts wird vom Boden aufgenommen.
Ich stelle mir vor, die ganze Zeit in diesem Matsch stehen zu müssen und sehe soviele Hunde durch die Gitter, deren Fell voller Schlamm ist.

Die Männer bauen vor dem Tierheim die Hundehütten zusammen und tauschen sie, nach und nach, gegen die unbrauchbar gewordenen aus.
Wir Frauen beginnen im Haus aufzuräumen. Es besteht aus einer Küche, einem Bad, einem Raum in dem Evi Sachen lagert und einem Vorraum in dem Medikamentenschränke sind, sowie mehreren Schlafplätze für die Hunde.
Auch im Haus hat alles unter Wasser gestanden. Wir müssen einen Teil der Möbel entsorgen. Viele Medikamente werden sortiert und weggeschmissen. Decken, Spielzeug und andere Gebrauchsgegenstände werden entsorgt. Die Schränke aus- und abgewaschen. Ein neuer Küchenspülenboden, der durch das Wasser total morsch ist, wird von Martin ausgetauscht. Ein altes Sofa in der Küche wandelt Martin durch zwei Spanplatten zum Hundelager um!



Das Tierheim wird über eine Pumpe mit Wasser versorgt, allerdings fällt nach kurzer Zeit auf, dass wenn der Druck des Wassers zu groß wird, der Wassertank auf dem Dach überläuft und das Wasser an der rechten Aussenseite des Hauses herunterläuft. Das Wasser fliesst auch auf das überschwemmte Gelände. Im Sommer ist das kein Problem, aber jetzt ist das noch eine zusätzliche Herausforderung. In der kurzen Zeit, können wir das Problem nicht beheben.

Ich stehle mir ein wenig Zeit und gehe durchs Tierheim. Ich möchte mir ein Bild von dem „Rest“ des Tierheims machen. Und vor allem die Hunde sehen, die in den hinteren Gehegen untergebracht sind. Um zu der rechten Seite der Gehege zu gelangen, muss ich eine riesige Matschlandschaft durchqueren. Im Sommer ohne Wasser ist sie sicherlich eine tolle Wiese. Jetzt zieht mir der lehmige Boden fast bei jedem Schritt die Gummistiefel aus.

Ich komme am rechten Gang des Tierheims an. Als erstes fällt mir ein Hund ausserhalb des Tierheimzauns auf. Es ist ein wirklich großer Hund. Er ist in einem ähnlich schlechten Zustand, wie der kranke, graue Hund vor dem Tierheim. Er klettert am Zaun hoch und schaut mich mit seinen warmen, braunen Augen an. Ich speche ihn an. Sein abgemagerter Körper wackelt hin und her. Seine Ohren und die Hälfte seines Körpers haben kein Fell mehr. Ich erkenne einen ursprünglich schwarzen Hund mit riesigen Pfoten. Wie sähe er wohl aus, wenn er gesund wäre? Ich muss an meinen Mano denken, meinen eigenen großen schwarzen Straßenhund. Er befindet sich wohlbehütet bei meinem Bruder in Deutschland. Er hätte das gleiche Schicksal haben können wie dieser Hund am Zaun. Evi erzählt mir, dass der Hund am Zaun auch Leishmanose hat. Er ist eines Tages aus dem Nichts dort aufgetaucht. Ausgesetzt von jemandem, der diesen „räudigen, kranken Hund“ nicht mehr haben wollte.



Es passiert oft, dass in Griechenland die kranken Tiere entsorgt werden. Die Menschen gehen nicht mit ihnen zum Tierarzt. Aus Angst sich bei den Tieren anzustecken. Stattdessen schmeissen sie sie einfach weg.

Ich kämpfe mich weiter durch den Schlamm. Durch das Tor des ersten Ganges, es klemmt. Ich kann es kaum öffnen, so verzogen ist der Hebel!
Wie mühsam wird es wohl erst sein, eine Schubkarre mit Hundefutter durch diesen Matsch zu befördern.

Was ich dort sehe zerreißt mir das Herz. Fast alle Gehege sind vollständig überschwemmt. Auch da wo es einem so vorkommt als ob es trocken ist, ist es total schlammig. Die Hunde stehen zum Teil, je nach Größe, bis zur Brust im Schlamm oder Wasser. Es gibt meistens nur eine relativ trockene Stelle, welche der Platz ist, an dem sie schlafen. Durch den Schlamm, ist auch dieser total verdreckt. Die Hunde sind voller Matsch und so ist an einen sauberen Schlafplatz erstmal nicht zu denken.



Ich laufe durch den Gang an den Gehegen vorbei, bis ich am hinteren Gehege ankomme. Im Gang leben drei sehr ängstliche Hunde. Sie versuchen bellend, den großtmöglichen Abstand zu mir zu bekommen, sobald ich mich bewege.
Das hinterste Gehege ist das Größte und die Hälfte der Wiese total trocken. In diesem befinden sich 7-8 Welpen zwischen 3-5 Monaten. Dingo eine dreibeinige Hündin die ich wieder erkenne, Uno ein Bretone, der sanfte Scooby Doo und die zickige Sarah und einige Hunde deren Namen mir grade nicht einfallen. Ich sehe Welpen und Junghunde die ängstlich in diesem riesigen Gehege vor mir davon rennen. Wenn wir die nicht schnellstmöglich vermitteln, werden die unvermittelbar. Sie bekommen nicht genug Kontakt zu Menschen.

Ich gehe zurück an den Gehegen vorbei. Die Hunde springen ständig im Wasser stehend an den Gittern hoch. Sie sind dankbar für einen kleinen Moment Aufmerksamkeit. Ich verspreche ihnen morgen wieder zu kommen.
Meine Füße sind mittlerweile eiskalt, sie schwitzen in den Gummistiefeln. Durch das kalte Wasser kühlen sie aus. Ich muss schleunigst da raus!
Leider kann sich keiner der Hunde Gummistiefel anziehen, geschweige denn sie ausziehen. :-(
Ich bin deprimiert und mein Kopf rattert. „Wie können wir die Gehege nur annähernd trocken legen?“

Mittlerweile ist es spät geworden. Als ich zum Haus zurück komme, wird es Zeit aufzubrechen. Evi erzählt mir, dass sie jemand angerufen hätte, schon vor drei Stunden. Sie aber das Telefon nicht gehört hätte. Nun hat sie bei einem zweiten Anruf erfahren, dass ein Hund angefahren worden ist. Ob Evi nach ihm schauen könnte. Natürlich wird sie nach ihm schauen. Bis wir zu dem Hund aufbrechen vergeht noch eine 3/4 Stunde.
Hoffentlich ist der Hund nicht allzu schwer verletzt. Mir ist bewusst, wie schlimm das sein kann, einen angefahrenen Hund zu finden. Ich hoffe, dass seine Verletzungen nicht allzu schwer sind.
Leider ist meine Hoffnung vergebens. Als wir am Unfallort ankommen, findet Kosta den Hund. Es ist eine mittelgroße rauhharige schwarze Hündin.Sie liegt regunglos im Strassengraben. Als ich näher komme, sehe ich einen offenen Bruch und einige Wunden am anderen Bein. Ich prüfe ihre Schleimhäute. Sie sind sehr blass. Ein schlechtes Zeichen. Die Hündin rührt sich nicht. Ich muss mich wegdrehen, mir steigen die Tränen vor Wut in die Augen. “Wieso haben wir das Telefon nicht früher gehört?“schiesst es mir durch den Kopf. Wir hätten diese Hündin viele Stunden früher finden können. Sie tut mir so unendlich leid.
Sie hat einen abgerissenen Strick um den Hals, der ihr den ganzen Hals wundgescheuert hat. An einer Stelle ist er eingewachsen. Ich hätte ihr wenigstens EINEN guten Tag in Freiheit gewünscht. Mir ist klar, dass sie ohne Evi elendig und einsam am Strassenrand sterben müsste…
Evi bringt eine Decke, damit wir die Hündin zum Auto transportieren können. Kosta hat Bedenken sie anzufassen, falls ihre Wirbelsäule verletzt oder sogar gebrochen ist.
Wenn sie die Wirbelsäule gebrochen hat, wird sie das hier eh nicht spüren. Wir haben keine Alternative, wenn wir sie zum Tierarzt bringen wollen.


Evi, Kosta und ich brechen zum Tierarzt auf. 57km weit entfernt. In einer anderen Stadt, Larissa. Als wir dort ankommen wird mir klar, warum Evi diese lange Fahrt auf sich nimmt.
Die Tierärztin, Sofia, ist nett und kompetent. Ihre Praxis ist modern und gut ausgestattet, keine Selbstverständlichkeit in Griechenland!
Aber das Allerwichtigste, sie geht sehr liebevoll mit der verletzten Hündin um.
In Griechenland ist es oft so, dass Strassenhunde, Hunde 2ter Klasse sind und als solche auch behandelt werden. Bei Sofia ist es nicht so! Sie spricht beruhigend auf die Hündin ein und untersucht sie gründlich.
Die Hündin hat mehrere Beckenbrüche. Zusätzlich noch einen offenen Bruch am Bein. Das Schlimmste aber sind innere Blutungen im Genitalbereich. Da die Hündin sehr viel Blut verloren hat, kann sie jetzt nicht notoperiert werden.
Sie bekommt eine Infusion. Ihr Bein wird verbunden und sie wird stationär aufgenommen. Sie schwebt in akuter Lebensgefahr. Wenn sie die nächsten 24 Stunden übersteht und sich ihre Lage stabilisiert, kann an eine Operation gedacht werden.

Zwischendurch kommen verschiedene Leute mit ihren Tieren in die Praxis. Allesamt Rassehunde. Was für eine Verschwendung! Warum Hunde produzieren, wenn die Straßen doch voller toller Hunde sind.
Rassehunde bedeuten eben auch Prestige.
Ich bemerke mal wieder, dass der Tierschutz in Griechenland noch in den Kinderschuhen steckt. Ein Boxerbesitzer fragt nach, warum sein Hund so komische Geräusche macht, wenn er ihn am Halsband zieht. Eine andere Frau fragt ob ihre Hündin nach einer möglichen Kastration, nicht mehr läufig wird.
Kosta, Evi und ich müssen uns am Riemen reissen um nicht laut los zu lachen, so skuril empfinden wir die Fragen und die Unwissenheit der Leute. Aber wenigstens fragen sie und bekommen Antworten!
Auf der Rückfahrt nach Karditsa fragen wir uns, warum die Frau, von der Evi angerufen wurde, nicht selber angehalten hat, um dem Hund zu helfen.
Als diese sich zu einem späteren Zeitpunkt bei Evi meldet um sich nach dem Hund zu erkundigen, bittet sie Evi sich an den Tierarztkosten zu beteiligen. Die Frau findet tausend Ausreden.
Evi wird auf den Tierarztkosten sitzen bleiben und auf der Verantwortung für die Hündin. Falls sie es überlebt.
Als ich ins Hotel zurück komme ist es Mitternacht. Ich muss an Evi denken, auf die Zuhause 10 Hunde warten.


Samstag 19.03.2011

Nach dem Frühstück starten wir zum Supermarkt. Wir besorgen noch einige Sachen für das Tierheim.
Vor dem Supermarkt entdeckt Kosta eine läufige Hündin. Vier Rüden umlagern sie. Als Evi rauskommt versichert sie Kosta, die läufige Hündin schnellstens kastrieren zu lassen.



Es ist der letzte von zwei Tagen, an dem wir helfen können. Ich habe das Gefühl die Zeit läuft uns davon. Alle sind entschlossen soviel wie möglich zu schaffen! Nur eins macht mir Sorgen, es hat geregnet! Das bedeutet wieder neues Wasser.

Auf den Weg zum Tierheim folgen Evi´s Auto immer wieder Strassenhunde die Evi füttert. Plötzlich ein Stop, als ich aus dem Fenster schaue sehe ich wie Evi einem ausgemergelten Pointer ein mitgenommenes Sandwich zuschmeisst. Der Hund ergreift das Sandwich und läuft in Panik davon.
Sie gibt uns ein Zeichen schon mal zum Tierheim durchzufahren. Sie verfolgt den Pointer mit dem Auto. Sie wird versuchen in den kommenden Tagen diesen Hund an eine feste Futterstelle zu gewöhnen. Nur so hat sie eine Chance ihn hoffentlich irgendwann einzufangen.

Im Tierheim angekommen, machen wir uns alle sofort an die Arbeit.
Die Männer reparieren die Tore. Henni spült unzählige Näpfe. Evi, Sarah, Eva und ich machen uns daran den Raum im Haus zu entrümpeln. Er soll die zukünftige Welpen- und Krankestation werden. Zwei Matratzen müssen raus.
Die darin wohnende Rattenfamilie wird (wie es sich für Tierschützer gehört) gefangen und ausserhalb des Tierheims ausgesetzt. Ein weiteres Bett wird herausgenommen. Martin funktioniert auch dieses, wieder mit Spanplatten, zu einem Hundebett um.


Das Zimmer wird mit Chlor desinfiziert. Die beiden Truhen, die Manfred und Martin gezimmert haben, werden hineingebracht.



Wir bringen einen Großteil der Decken- und Futterspenden von draussen hinein und lagern sie dort.
Draussen wird ein Schuppen entrümpelt, dessen Inhalt vom Wasser komplett unbrauchbar gemacht worden ist. Dann werden Paletten hinein gestellt. Die restlichen Spenden, sowie das Werkzeug werden dort untergebracht.
Die ganzen unbrauchbaren Sachen aus dem Schuppen werden mühsam mit der Schubkarre entsorgt. Sie werden durch den Matsch zum Müllplatz gefahren.



Die Zeit rennt. Es ist soviel zu tun. Ich bin die ganze Zeit mit den Gedanken bei den Hunden im Wasser. In der Nacht hat es geregnet und die Situation in den Gehegen hat sich verschlechtert, da das Wasser gestiegen ist.
Ich packe alle meine Taschen mit Leckerchen voll. Wieder gehe ich über die rechte Seite nach hinten in die Gehege. Links komme ich leider nicht hinein, denn dort befindet sich eine angriffslustige Hündin. Sie lässt keinen Fremden hinein.
Mein kranker großer schwarzer Freund hat mich längst entdeckt! Er freut sich mich wieder zu sehen. Ich gebe ihm ein paar Leckerlis. Er verfolgt mich treu den ganzen Gang entlang. Wartet geduldig bis ich ihm wieder einige Sekunden Aufmerksamkeit schenken kann und weitere Leckerlis;-)
Ich gehe in die Gehege. Ich möchte mir ein genaues Bild von innen machen.
Wie befürchtet, steht jetzt durch den Regen, noch mehr Wasser in den Gehegen.
Die einzigen trockenen Plätze sind mehr oder weniger die Schlafplätze. Auch da müssen die Decken ausgetauscht werden.
Ich komme kaum aus den Gehegen. Die Hunde flippen förmlich aus, als ich ihnen Leckerlis gebe. Manchen werfe ich welche zu, sie sind zu scheu um näher zu kommen. Manche bleiben aber auch einfach in den hinteren Bereichen der Gehege weil es dort ein trockenes Eckchen gibt.
Während ich die Leckerchen verteile, mache ich mir ein Bild davon, welche Hunde am schlimmsten vom Wasser betroffen sind.
Ich gehe zurück zum Haus und treffe auf Kosta. Ich besorge schnell neue Leckerlis, wir packen die Palletten und gehen nach und nach die Gehege ab. Martin, Alexi und auch Manfred kommen dazu. Alle schleppen fleissig Palletten. Wir legen sie ins Wasser damit die Hunde wenigstens eine trockene Stelle haben, auf der sie stehen können. Die meisten Hunde nehmen die Palletten dankbar an. Paggy, eine fuchsbraune, wunderschöne, aufgeweckte Hündin, freut sich riesig. Sie rennt ganz aufgeregt, auf drei Palleten, hin und her! Ihre Pfoten sind durch das Wasser total aufgequollen. 


Ich sehe Kosta. Er hockt mit einem großen Rüden im Arm im Nachbargehege. Er flucht, auf das Wetter, das Wasser, die Zustände! Er flucht, weil wir nicht mehr für die Hunde tun können.



Zwischendurch gibt es wieder Leckerlis und Streicheleinheiten. Die Hunde leben förmlich durch so ein bisschen Zuwendung auf!

Als wir keine weiteren Palleten haben, kümmern wir uns um die neuen Decken für die Schlafplätze. Wir reinigen die vom Schlamm verdreckten Futtertröge. Wir tun was wir können, aber die Zeit ist knapp.
Verdammt!!!!
Wir gehen zurück zum Haus. Ich, natürlich am Zaun begleitet von meinem kranken schwarzen Freund, der mich nicht aus den Augen lässt.

Die Männer ziehen noch eine Plane vor das Haus. Sie dient als Vordach und bewirkt Wunder. Ein trockenes Plätzchen! Es regnet schon seit Stunden.
Wir „bewaffnen“ uns mit weiteren Planen, sauberen Decken und Werkzeug. Gemeinsam gehen wir zum Katzenhaus. Neue Planen werden als Dach ausgelegt. Die Katzen bekommen frisches Futter. Alte, morsche Kratzbäume werden weggeschmissen und feuchte Schlafplätze mit Gummimatten trocken gelegt.
Ausserdem werden die Welpenhütten in dem großen hinteren Gehege mit neuen Decken ausgelegt und mit Planen abgedeckt.
Im Haus zimmern Martin und Manfred eine Tür für den Medikamentenschrank.
Manfred hat am Vortag auch noch Garderoben gezimmert und Hakenleisten für Hundeleinen angebracht.





Mittlerweile ist es dunkel und wir müssen noch fünf Hunde „einpacken“. Sie werden am nächsten Morgen mit uns auf Ihre Reise nach Deutschland gehen.
Evi nimmt sie alle mit nach Hause, zusätzlich zu den anderen zehn, die dort auf sie warten. Wir werden die Hunde dort morgens um 4.30 Uhr wieder alle abholen. Aber zuerst müssen sie erstmal alle zu ihr gebracht werden.
Kosta, Evi, Alexis und ich holen nach und nach die Hunde aus den Gehegen.
Bei Anastasia und der blinden Woula ist das Aufgrund ihrer Größe einfach, diese Beiden reisen später in einer Box gemeinsam.
Perla ist eine mittelgroße Hündin. Sie verkriecht sich ängstlich in ihre Hundehütte. Mit ein bißchen gut Zureden, lässt sie sich dann aber anfassen.
Danach sind die Großen dran, Fee eine gut 40kg schwere Hirtenhündin mit abgeschnittenen Ohren und vernarbtem Körper (man hatte versucht sie tot zu schleifen) und Polis ein etwa 30Kg schwerer goldfarbener Rüde.
Beide müssen aus dem linken Gehege geholt werden, in dem sich die angriffslustige Hündin befindet, die findet, das Angriff die beste Verteidigung ist (sie hat die Erfahrung gemacht, das man Menschen nicht trauen kann, sie ist auf das Schlimmste in der Vergangenheit verprügelt worden).
Evi geht als erste hinein, und drängt die misstrauische Hündin zurück in die Schlafhütte, gleichzeitig lockt sie Fee hinaus, die dann von Kostas zum Auto getragen wird. 40 Kg, die sonst Evi trägt.
Dann kommt Polis, den ich mir schnappe und der sich sanftmütig alles gefallen lässt, auch ihn trage ich zum Auto in die Box. Evi behält die Hündin im Auge und schließt nach uns das Tor. Es ist ein „durch-den-Schlamm-kämpfen“, denn durch den erneuten Regen ist ein Laufen kaum noch möglich.Die Tiere sind nicht an Leinen gewöhnt, deshalb trägt Evi sonst die Hunde auch immer, egal wie groß sie sind!!
Die Hunde werden auf die Boxen in den Autos verteilt.
Ein letzter Blick noch auf das Tierheim, dann verschwindet es im Rückspiegel.

Wir bringen die Hunde zu Evi nach Hause in die 5. Etage, es regnet nach wie vor.
Wir setzten die Tiere erstmal auf die überdachte Terasse und Evi öffnet dann von innen die Tür ihres Schlafzimmers, welche auf die Terasse führt. Fee unser wirklich groooooßes Mädchen findet das Bett toll und auch die blinde Woula schafft es, ohne was sehen zu können, auf das Bett zu kommen, als sie wieder herunter möchte stockt mir der Atem, aber Evi sagt, „lass sie nur machen, die kann das“ ich bin erstaunt und gerührt, wie die blinde Woula mit ihren kurzen krummen Beinchen eine Bauchlandung hinlegt, sich schüttelt und sich dann ganz selbstverständlich, an das weitere Erkunden des Schlafzimmers macht. Auch Polis und Anastasia gesellen sich dazu, nur die scheue Perla hält zur Sicherheit Abstand. Drinnen bellen die anderen Hunde ganz aufgeregt und ich bin mir sicher das das eine kurze Nacht für alle wird;-)

Wir fahren ins Hotel gehen duschen und waschen uns die Spuren des Tages ab.
Unter der Dusche muss ich wieder an die Hunde im Tierheim denken und wie nass es draussen ist.
Ich denke an Evi, die jedesmal wenn sie Hunde nach Deutschland schickt, all das ganz alleine machen muss.

Nach einem gemeinsamen Essen in einer Taverne, bleiben mir noch 3,5 Stunden Schlaf und dann sind wir auch schon wieder bei Evi zuhause. Die Hunde, die wir mit nach Deutschland nehmen, müssen wieder eingepackt werden.
Es geht alles ganz schnell, und nach einer herzlichen Verabschiedung von Evi (bei der ich ihr verspreche wieder zu kommen) machen wir uns auf den mühsamen Weg zum Flughafen.
Neben mir hat Manfred die kleine Bina, ein Welpenmädchen, das auch mit nach Deutschland kommt, während der Fahrt auf dem Schoss. Ihr ist schlecht, sie fährt zum ersten Mal Auto. Manfred kümmert sich geduldig und rührend um den sabbernden und brechenden Welpen.



Am Flughafen geht alles sehr schnell, die größeren Hunde werden eingecheckt,
und zwei kleine (Bina inklusive) dürfen in der Kabine mitfliegen.



Als das Flugzeug abhebt, spüre ich zum ersten Mal bewusst meine Erschöpfung. Ich habe keine Stimme mehr, bin erkältet!
Die Anstrengungen der letzten paar Tage haben ihre Spuren hinterlassen.
Diese, werde ich mit ein paar Tagen ausruhen und schlafen schnell beseitigen.
Die Spuren die ich in meinem Herzen mit nach Deutschland nehme, werden bleiben und darüber bin ich froh!
Evi und „ihre“ Hunde, brauchen unsere Hilfe und es wird sicherlich nicht meine letzte Reise nach Karditsa gewesen sein.
Ich habe mir lange Gedanken gemacht, was ich in den Bericht schreiben soll und letztendlich habe ich einfach darauf los geschrieben, es ist nur ein Bruchteil meiner Gedanken, ein Bruchteil meiner Gefühle und ein Bruchteil meiner persönlicher Eindrücke….
Ich selber bin Griechin, manches was für einen deutschen Betrachter schon sehr hart erscheint, berührt mich weniger…Anderes wiederum macht mich wütend, denn dadurch dass ich in Deutschland groß geworden bin, habe ich eine anderen Blick für die Umstände in Griechenland.
Nicht jeder Grieche ist ein Tierquäler und nicht jeder Deutsche ein Tierfreund und Dinge die hier in Deutschland selbstverständlich sind, sind in Griechenland zum Teil nicht vorstellbar. NOCH NICHT!

Meine 83 jährige Tante in Griechenland schmeißt jedes Jahr 2 Würfe Katzenwelpen weg und es ist mir bisher nicht gelungen sie eines besseren zu belehren….ihre Enkelin allerdings, hat eine ganz andere Einstellung!
Mitlerweile gibt es Tierärzte in Griechenland, was vor 20 Jahren überhaupt nicht denkbar war! Und es gibt Menschen die Hunde lieben! So wie Evi….

Ich unterstütze Menschen wie Evi und Kostas, damit andere Menschen die Chance bekommen ihre Einstellung zu ändern und dazu zu lernen und damit sich auch in Griechenland, wenn auch verdammt langsam, die Einstellung zu den Hunden verändert und der Tierschutz dort einen anderen Stellenwert bekommt.
Und ich unterstütze die Tierschützer in Griechenland, weil ich Hunde liebe, auch wenn mir das, was ich für sie tue und meine Liebe zu Ihnen, im Vergleich zu dem was Evi und Kosta und auch Foteini leisten, sehr klein vorkommt. Deshalb möchte ich von ganzem Herzen Ihnen danken, die täglich mit Ihren Spenden und Ihrem Zuspruch den griechischen Tierschützern und ihren Hunden helfen!


Vielen Dank von Herzen

Panajiota Kafetzis