Einmal Karditsa und zurück...

...oder : on the road again …

Es sollte ein Wochenende für die Hunde sein . Ein ganzer Tag im Tierheim Karditsa, um die Hunde dort kennenzulernen, sie besser einschätzen zu können und ihnen damit den Weg in ein neues Zuhause zu ermöglichen.

Der Flug nach Thessaloniki ist wirklich kein Problem, kaum 2,5 Stunden und schon ist man in einer anderen Welt . Griechenland ist kilometermäßig keine große Distanz , und doch taucht man sofort bei der Ankunft jedesmal wieder in einem neuen Universum auf.

So kommt es zumindest mir vor.
Sofort beginnt das Umdenken – dort ist eben alles anders! Und man muss sich darauf einlassen, das ist die einzige Möglichkeit alles wenigstens halbwegs zu verdauen.

In Saloniki angekommen wartete schon Kostas auf uns. Um Evi in Kavala alles ein wenig zu erleichtern hatte er sich bereit erklärt uns an diesem Wochenende zu begleiten und mit uns nach Karditsa zu fahren.
Eine sicherlich nicht selbstverständliche Aktion, denn er hat ja schließlich selbst in Kavala so viele Tiere zu versorgen und mehr als genug eigene Arbeit !
An dieser Stelle unseren herzlichsten Dank ;-)

Normalerweise beträgt die Fahrzeit von Thessaloniki nach Karditsa an die 3,5 Stunden...aber was ist schon normal ? ;-)
In Griechenland ein sehr seltener Zustand …

Zur Zeit, und das seit Monaten !!! , streiken die Bauern und besetzen die gängigen Autobahnen, sodass niemand sie benutzen kann, sondern über die natürlich viel längere und furchtbare Strecke der Landstraßen fahren muss.

Landstraßen, das bedeutet in Griechenland keinerlei Beleuchtung , kaum Beschilderung und Straßenverhältnisse die jeder Beschreibung spotten...
Und das in den Bergen, immer schön nah am Abgrund ;-)
Wie dankbar waren wir für einen erfahrenen, griechischen Fahrer !

Kurz vor dem Ziel war es dringend nötig irgendwo eine Toilette zu finden...wir machten Halt in Larissa, einer einigermaßen großen Stadt. Da es dort ein Einkaufszentrum gab versuchten wir unser Glück und betraten die Halle. Was wir dabei nicht bedachten : Kostas hatte seinen eigenen Hund, Charly , mitgebracht. Und natürlich musste auch er sich ein wenig die Beine vertreten. Selbstverständlich wurde er an die Leine genommen und wir gingen alle zusammen hinein. Nur Kostas kam leider nicht weit...er hatte halt ein 12 kg schweres Ungeheuer bei sich! Die Menschen warfen uns Blicke zu die hätten töten können, Mütter nahmen ihre Kinder an die Seite und beschützen sie .
Bis ein Sicherheitsbeamter Kostas mitsamt seines wilden Wolfes kurzerhand hinaus warf.
Wir freuten uns wieder einmal griechische Gastfreundlichkeit zu erleben...

Gut, nach ca 5 Stunden hatten wir doch noch glücklich unser Ziel erreicht : Karditsa .
Da es schon weit nach 23 Uhr war konnten wir nur noch schnell ein Häppchen essen und dann die Hotelzimmer beziehen. Am nächsten Morgen sollte es schließlich früh los gehen – das Tierheim !!!

Pünktlich um 8 fuhren wir los, es ist zum Glück nicht sehr weit und wir kamen recht schnell dort an.
Eine Überraschung erwartete uns schon vor dem Tierheimtor : Ihre Spenden waren einen Tag zuvor angeliefert worden und wir konnten zusammen mit Evi den Transporter mit den beiden Paletten entladen ;-)
Schnell legten wir unsere „Tierheimkleidung“, bestehend aus Gummistiefeln und Regenhosen an, denn auf Grund der Bilder wussten wir ja was gleich auf uns zukommen würde...

Bild 1  Bild 2  Bild 3  Bild 4  Bild 5  Bild 6

Es gibt dort einige Tiere die vor dem Tierheim leben , und das seit langer Zeit – oft ist es dort sicherer als im Inneren...
Hope , die liebe, alte Hündin begrüßte uns zärtlich. Evi hatte sie vor einiger Zeit im Straßengraben gefunden, ein Ohr voller Maden ...zerfressen und völlig zerstört. Abgemagert und kaum lebensfähig...
Das Ohr musste ihr amputiert werden , es war nichts mehr zu retten.
Nun wiegt sie schon zu viel ;-) Ihr Fell ist ganz wunderbar gewachsen, sie sieht sehr gesund aus und sie ist voller Lebensfreude- dankbar dass sie dort in einer Ihrer Hundehütten wohnen darf !

Bild 1  Bild 2

Auch Penelope und noch weitere Hunde leben dort, in Eintracht mit einem großen, weißen Kater …

Bild 1  Bild 2

Am Tor warteten schon die Hunde – wir konnten es nicht erwarten hineinzugehen und ließen die Spenden Spenden sein ;-)
In den nächsten 2 Stunden kümmerte sich Kostas um alles und schleppte Karton für Karton hinein .

Bild 1

Mit natürlich großem „Hallo“ und Gebell wurden wir empfangen !
Im Eingangsbereich leben einige Hunde , zum Beispiel Tzobana ,Chillie,Quincy, Liza, Sky, Karl und Karla, Wula, Nikitas, Ikaros, Tina und Paulina .

Nikitas , auf Grund seiner Blindheit , verbellt unsicher fremde Menschen...natürlich, er weiß ja nicht was um ihn herum geschieht...dennoch neugierig hielt er sich immer irgendwo in der Nähe auf- in gebührendem Abstand.

VIDEO
Video

Liza – die „Mutter der Nation „ - hat alle ihre Untertanen im Griff ;-) Immer auf Wachposten schaut sie dass alles seine Ordnung hat und weist freche Jungspunde auch mal zurecht. Streicheleinheiten ist sie aber nicht abgeneigt und geniesst diese auch sehr ;-)

Bild 1  Bild 2  Bild 3

Quincy – ein so wundervoller, intelligenter und lieber Junghund dem sofort alle Herzen zuflogen, wich uns nicht mehr von der Seite und genoss jede Zuwendung .

Bild 1

Tina : sie hatte ich bereits im Oktober 2008 kennengelernt ...damals war sie frisch operiert. Evi hatte sie nach einem Autounfall an einer Straße gefunden. Vorder und Hinterbein waren gebrochen und operiert worden. Zu der Zeit bewegte sie sich langsam und bedächtig, war so liebebedürftig dass ich das Gefühl hatte sie krieche fast in mich hinein...
Naja- liebebedürftig war sie noch immer ;-) Aber ganz und gar nicht bewegungseingeschränkt ;-) Voller Lebensfreude tobte sie durch die Gegend und konnte nicht genug von uns bekommen- endlich mal jemand der ein wenig Zeit mitbrachte ;-) Tina ist ein ganz wundervoller, fröhlicher und liebevoller Familienhund !!!

Bild 1  Bild 2  Bild 3

Karl und Karla flössten uns erst einmal Respekt ein, auf Grund ihrer Größe!
Karla muss um die 60 cm Schulterhöhe haben und Karl sicher an die 70 cm ;-)
Doch der erste Eindruck trog : beides sind Riesenbabies mit dem Glauben sie seien Schoßhündchen ;-)
Tolle, bildschöne Geschwister die sich mit allen und jedem verstehen, ohne auch nur den Ansatz einer Agression zu zeigen...würdevoll und gemütlich schunkeln sie sich ihren Weg – bis zu ihren Menschen;-)
Karla liebt es Ohren zu putzen und sich von hinten anzuschleichen um einem mit ihrer zärtlichen Riesenzunge einmal quer durch's Gesicht zu fahren ;-)
Karl hatte vor mit mir zu spielen und forderte mich gebückt zum Toben auf ...zuerst bin ich darauf eingegangen, aber da er etwas unsicher war habe ich es lieber gelassen ;-) Körperlich doch etwas unterlegen und den Hund nicht genügend kennend habe ich lieber verzichtet;-)
Ein tolles Gespann die beiden!!!

Bild 1  Bild 2  

Tzobana hat sich toll gemacht – beim letzten Besuch konnte man sie nicht anfassen, sie ist geflüchtet...dieses mal zeigte sie sich von einer sehr Menschen zugetanen Seite und war dankbar für jede Streicheleinheit...sehr ruhig und gelassen , aber immer dabei ;-)
Wula hockte in ihrer eigenen Hundehütte ;-) Neugierig steckte sie ihr Köpfchen zu uns heraus und ließ sich streicheln...auch sie ist blind und daher sehr unsicher...

Bild 1

Sky – dieser wundervolle Setter ...auch er hat mittlerweile gelernt wie lieb Menschen sein können! Er lässt sich zu gerne anfassen und sucht menschliche Nähe...da er taub ist scheint eine Vermittlung fast unmöglich, aber es ist doch nur so ein kleines Handycap...
Ein Setter, der gerne Vögel und Hasen jagt, kann doch sowieso kaum von der Leine und braucht einen eingezäunten Garten zum Austoben...ob er nun taub ist oder nicht – mit einem Zweithund ist das doch kein Drama. Auch alte Hunde werden schwerhörig oder gar taub ! Man kann mit ihnen toll kommunizieren wenn man sie auf Sichtzeichen konditioniert …
Gut- es ist Arbeit und eine Aufgabe- aber keine Unmöglichkeit!

Bild 1    VIDEO

Die einmalig schöne, wunderbare Paulina...auch sie angeblich taub- aber Frau Lange fiel auf dass ihre Ohren so verdreckt sind und entzündet – vielleicht hat sie nach sorgsamer Therapie doch noch eine Chance auf ein wenig Hörvermögen !!! Sie muss schnellstens nach Deutschland , um ihr helfen zu können...
Pointer an sich sind immer wundervolle Hunde, NUR lieb, anhänglich und sensibel...wahre Schätze …
Paulina leidet im Tierheim, sie zieht sich alleine in einen Schuppen zurück und macht einen schwer unglücklichen Eindruck...in der Zeit als wir dort waren suchte sie unsere Nähe. Als wenn sie uns um Hilfe bitten wollte ...“schaut wie ich leben muss...bitte gebt mir eine Chance...“

Bild 1  Bild 2  Bild 3

Und schon begann es an uns zu nagen:-(
All diese wunderbaren Hunde konnten wir nicht mitnehmen, und wir waren doch erst am Anfang, hatten noch nicht einen einzigen Hund in den übrigen Ausläufen gesehen oder angefasst und beschmust...und es waren doch sooo viele...
Wo sollte man anfangen ?

Zuerst die Welpen...mittlerweile wussten wir warum wir Gummistiefel und Regenkleidung angezogen hatten- der Matsch steht kniehoch, die Gummistiefel versinken ein um's andere mal tief und man muss aufpassen wohin man tritt.
Durch das stehende (stinkende) Wasser sieht man darunterliegende Löcher nicht...
Die süßen Kleinen...alle wollen Aufmerksamkeit und hüpfen an uns hoch. Zum Glück haben sie eine trockene Hundehütte in welche sie sich zu gerne zurückziehen- natürlich nicht in dem Moment als sie uns sahen;-)
Überrascht hat uns Simon – so ein bildhübsches und nettes Kerlchen! Freudig und kein Stück ängstlich.
Die Geschwister von Filaki sind sehr zart und werden sicher nicht so groß wie erwartet...noch etwas vorsichtig aber freundlich und neugierig ;-)
Wir müssen weiter...

Bild 1  Bild 2  Bild 3 

Aiolos und Thauma sind scheu, richtigen Kontakt wollen sie nicht- sie kennen es einfach nicht !
Im nächsten Gehege der „verrückte“ Micky ;-) Ein ganz netter Hund, aber etwas aufdringlich;-)
Er müsste viel Beschäftigung haben, ein Hund für sportliche Menschen die Hundesport machen möchten und ihm noch viel für's Leben beibringen;-)
Vor seinem Gehege, in die Ecke gedrückt, ein neuer Hund – so furchtbar ängstlich dass er sich nicht bewegt und glaubt er ist unsichtbar...wir lassen ihn in dem Glauben um ihn nicht noch mehr zu stressen und gehen weiter.

Da Evi beschäftigt ist gehen wir beide alleine durch das Tor zu den Gehegen. Auch in den Gängen laufen die Hunde frei. Kaliopi sucht Kontakt und freut sich dass wir sie besuchen, scheu aber lieb;-)
Wir kommen nicht weit, denn ein Herdenschutzhund findet es nicht so toll dass Fremde sein Gelände betreten und zischt am Rand an uns vorbei- haarscharf.
Zuerst beachten wir ihn nicht, aber sein Gehabe wird eindringlicher, er fixiert und stellt uns...
Wir kehren lieber um und überlassen ihm sein Reich;-)
Mit einem 40 kg Hund der sein Zuhause beschützt ist nicht zu spaßen...

Wir wollen uns lieber Begleitschutz holen und fragen Evi ob sie mit uns geht;-)
Das ist dann ok für ihn , seine Leute geben das OK dass wir hineindürfen und sind dabei...

Zuerst sehen wir Renos, Lapas und Simba...
Der wundervolle Simba kriecht in uns hinein , bittet uns förmlich ihn anzufassen, zu beschmusen und doch bitte, bitte mitzunehmen...
Seine Beinverletzung hat sich verschlimmert, er scheint Schmerzen zu haben und humpelt stark. Das Wasser und der Matsch ist da sicher nicht förderlich:-(
Renos ist freundlich, sehr ruhig und zurückhaltend. Kein aufdringlicher Hund- ganz im Gegenteil. Lapas – ein kleiner, freundlicher Macho der wohl die Rolle des Chefs in dem kleinen Rudel verkörpert,-)

Bild 1  Bild 2  Bild 3  Bild 4

Durch eine kleine Zwischentüre geht es zu Fee, Maria , Valentino, Kanelitsa. Allesamt tolle Hunde...der Matsch spritzt uns mittlerweile in die Augen, wir müssen auf die Kameras aufpassen die auch schon völlig eingematscht sind- nicht einfach unter den Umständen Fotos zu machen...
Fee – ein klein wenig verrückt aber sehr liebenswert ;-) Die große Narbe an ihrer Seite erzählt eine eigene Geschichte ( sie wurde als Welpe hinter einem Auto hergeschleift...)

Bild 1  Bild 2

Im Zwischengang der liebenswerte Polis ...Kaliopi , Nina , der kleine, süße Wirbelwind Kanella …
Über die kleine Kanella kann man sich nur wundern- schon so lange Zeit überlebt sie dort, obwohl sie so klein und unterwürfig ist- oder vielleicht gerade deshalb! Sie ist zu flink als dass sie von den anderen Hunden erwischt werden könnte...und sehr schlau ;-)

Bild 1  Bild 2  Bild 3  Bild 4

Im nächsten Gehege die nächsten Hunde, alle um uns herumhüpfend, voller Freude dass Besuch zu ihnen kommt,-)
Die kleine, ganz süße Anastasia...sie hatten wir uns viel größer vorgestellt und haben sie auch nicht erkannt!
Zwischen Schlamm aus den Augen wischen, Kamera einigermaßen sauber halten ( oder es zu versuchen ;-) drängen sich die Hunde an uns...
Jake ist auch viel kleiner als erwartet, sehr lieb, aber irgendwie sieht er noch immer schlecht aus...irgendetwas scheint nicht mit ihm zu stimmen- aber er freut sich wahnsinnig über uns ;-)
Ein wunderschöner, lieber und vorsichtiger Junghund mit Bersteinaugen – Noah- versucht auf sich aufmerksam zu machen und weicht kaum von unserer Seite .Wieder so ein toller Familienhund …
Ein griech. Schäfermix ist eher zurückhaltend aber freundlich...
Ein kleines Mädchen- ähnlich unserer Sofie- flitzt freudig und aufgeregt um uns herum und sucht unsere Nähe...
Perla sitzt auf ihrem Aussichtsturm und wedelt was das Zeug hält, traut sich aber auch nicht so richtig, bis ich sie mir schnappe und sie im Arm halte...so ein liebes Mädchen...

Bild 1  Bild 2  Bild 3  Bild 4  Bild 5  Bild 6

Doch viel Zeit haben wir nicht, wir müssen ja noch zu so vielen anderen !!! Im nächsten Gehege warten auf uns Ellis und Noemi, Sofie und Ricky.
Dort spielte sich ein Drama ab : Ricky stand bauchtief im Wasser...das Köpfchen auf einer Holzlatte aufgestützt. Er konnte kaum noch stehen und drohte jeden Moment umzufallen und in einer 20 cm tiefen Pfütze zu ertrinken!
Evi schnappte ihn sich sofort und ging ohne weitere Worte hinaus- sofort zum Tierarzt!
Später stellte sich heraus dass der Kleine einfach „nur“ an Unterkühlung litt, bei 20 Grad Lufttemperatur...aber durch das Wasser war er total ausgekühlt und hätte nicht mehr lange überlebt :-(
So ein lieber, kleiner Junge ...wir hatten viel Glück dass wir an diesem Tag in diesem Moment dort waren, es hätte sonst niemand bemerkt...
Ellis und Noemi, die beiden Schwestern von Quincy – wie ihr Bruder sind es ganz, ganz wundervolle Junghunde! Mit den allerbesten Voraussetzungen tolle Familienhunde zu werden ! Sie sind nicht nur alle 3 bildhübsch, sondern auch lieb sondersgleichen ...eine Schande sie in diesem Matsch zu sehen:-(
Sofie ist freundlich und möchte gerne Kontakt, traut sich aber nicht so richtig und wirbelt immer um einen herum;-) Süße Maus...

Bild 1  Bild 2  Bild 3  Bild 4

Weitere Gehege ziehen an uns vorbei, manche können wir nicht betreten weil die Türen defekt sind, oder es einen Hund im Inneren gibt der nicht allzu freundlich ist mit Fremden...bei dieser Menge von Tieren – man kann sich einfach nicht jeden einzelnen so genau ansehen:-(
Schlechtes Gewissen mischt sich mit Trauer …

Im Gehege mit Firfiris befinden sich 3 fast gleich aussehende, schwarze Jungs. Vielleicht Setter/Labrador Mixe, irgendetwas in der Art. Alle 3 sind anhänglich, wollen alle mit uns schmusen und drängeln sich an uns heran...
Firfiris ist der Boss dort, er scheint sie ziemlich zu unterdrücken.
Leider konnten wir von ihnen keine schönen Fotos machen, schwarze Hunde und Schlamm bis an die Knie- das verträgt sich nicht...
Wir werden Evi bitten einzelne Fotos zu senden sobald es trockener wird, die Jungs sind nicht älter als ca 10 Monate und haben dann sicher alle Chancen der Welt- so lieb wie sie sind...und bildschön dazu ;-)

Bild 1  Bild 2

Wir kommen an die kleinen Hütten heran...dort sitzen separierte Hunde, zB frisch operierte Tiere, Mütter mit Welpen, Katzen...
In einer Hüte „wohnt“ die liebe, kleine Matina mit ihrem Sohn Emil und Adoptivsohn Lasse.
Alle 3 hatten wir uns auch viel größer vorgestellt, aber keiner ist viel größer als vielleicht 40 cm, handliche Hündchen, allesamt sehr, sehr lieb und ein wenig zurückhaltend- es kommen halt nicht oft Fremde ins Tierheim;-)
Lasse hat sich toll gemacht, sein Lockenfell glänzt und ist kuschelweich...
Matina genieest jede Streicheleinheit und „friert“ dabei ein, bewegt sich nicht mehr...Emil ebenso.
Diese 3 würden sich sehr freuen eine ruhige, liebe Familie zu finden. Sie brauchen so viel Liebe und stellen keine großen Ansprüche- weder an Platz noch an sportlichen Aktivitäten...wir würden es ihnen so sehr gönnen...

Bild 1  Bild 2  Bild 3

In einem anderen Häuschen sitzt ein wahnsinnig hübscher, an einer Pfote verletzter Junghund...sicher ausgemustert von einem Jäger- ist ja nun nicht mehr brauchbar! Ein Mix aus Bretone und Setter ...ich nenne ihn Uno – alle Tiere brauchen Namen ;-)
Er ist zurückhaltend aber geniesst so sehr unsere Nähe …

Bild 1

Sarah ist auch in einer der Hütten – sie wurde kastriert und sollte erst die Wunde abheilen lassen ehe sie wieder in den Matsch musste...leider nicht sehr freundlich vertrieb sie uns aus ihrer Nähe ;-)

In der nächsten Hütte 2 weitere Welpen...nach Aufmerksamkeit bettelnd wie alle:-(

Bild 2

Zwischen den Hütten stand plötzlich ein kleiner, behinderter Hund und schmuste sich an mich heran...sie erinnerte mich an einen Hund den ich dort vor 2 Jahren schon einmal gesehen hatte. Allerdings mit schwerer Hautkrankheit...aber diese Behinderung...( sie wackelt beim Gehen, hat Koordinationsschwierigkeiten und ist geistig zurückgeblieben, aber soooo lieb...)
Und tatsächlich – sie war es ;-) Das arme Schätzchen hatte Bisswunden, die anderen Tiere können nicht mit ihrer Behinderung umgehen:-( Wir fürchten sie wird irgendwann irgendwem zum Opfer fallen:-(

Bild 1  Bild 2

Weitere Hunde kommen aus dem Nichts und spielen ausgelassen um uns herum ;-)
Unter anderem der wundervolle Scooby ...auch noch kein Jahr alt, nur lieb und sooo freundlich!!! Er wäre ohne weiteres zu Kindern zu vermitteln, ein richtiges Schätzchen ;-)
Eine etwas schüchterne Hündin traut sich nicht ganz heran, und eine braune Hündin , mit einer Beinverletzung, kann nicht genug von uns bekommen...

Bild 1  Bild 2  Bild 3  Bild 4

Draußen vor dem Tor läuft die ganze Zeit eine traumhaft schöne Pointerhündin herum...seit einem Monat wird sie dort schon versorgt. Evi versucht sie hereinzuholen, aber Zaza, eine „Chefhündin“ ist nicht begeistert und murrt herum. Ehe etwas passiert bringt Evi sie lieber wieder hinaus, dort ist es manchmal sicherer für unterwürfige Hunde...
Traurig schaut sie uns von draußen zu...

Bild 1

Wir machen eine kurze Rast auf der Bank im hinteren Teil des riesigen Tierheimes...Evi ist sehr erschöpft, man merkt ihr an wie schlecht es ihr geht...
Trotzdem lacht sie und freut sich an den albernen Hunden die um uns herumtollen;-)
Auch wir sind wie erschlagen...
Das hier sollte jemand jeden Tag ertragen ? So viel Arbeit, so viele arme Tiere, in Matsch und Wasser...
So viele Tiere die Liebe wollen und man hat keine Zeit sich um den einzelnen zu kümmern:-(
Nur das Nötigste- Futter, Wasser...ein Blick : alles gesund ???
Es macht einen so traurig...

Bild 1

Wie schnell würden sie hier Familien finden ! Solche tolle Hunde, wie man sie sich nur wünschen kann...aber dort- wer sollte sich dort für sie interessieren ? Sie würden dort ihr ganzes Leben verbringen – wenn sie keine Chance bekommen durch Pflegestellen...

Während Evi beim Tierarzt mit Ricky war sahen wir uns die Esel an...oder wir wollten es ;-) Wir kamen leider nur bis zu den Ziegen. Als wir uns sie näher ansahen wollten sah ich ganz hinten, am Ende des Geheges einen Busch aus dem mich 2 Mini-Köpfchen anschauten ! Waren das Hunde ??? Und was machten sie bei den Ziegen ???
Und wie kamen wir hinein, wo war denn nur die Türe ???
Da das Gehege am Rande des Tierheimes, neben dem Eingang, lag machten wir uns auf von draußen mehr zu sehen...
Es blieb uns nichts anderes übrig als über den Zaun und eine Regenrinne zu klettern um die beiden kleinen Welpen einzufangen...
Nach einigem Hin-und Her ( die Kleinen fauchten wir Katzen;-))) konnten wir sie in den Dornbüschen einfangen...
Eine schlimme Demodex hatten beide, der eine mehr als der andere. Jemand hatte sie einfach über den Zaun geworfen und sich ihnen so erledigt.
In Griechenland ist es üblich neugeborene Welpen sofort zu töten ( naja, lebendig zu vergraben...) , der Mutter aber 1 oder 2 Babies zu lassen, damit sie die Milch abtrinken und die Hündin nicht krank wird. Sind sie dann 5-6 Wochen werden sie auch weggeworfen, selten getötet- denn sie sind ja nun schon groß und schauen sie an!
Wir hoffen sie schaffen es und überleben, so klein wie sie sind...
(Anmerkung : Evi hatte am darauffolgenden Tag noch ein Brüderchen gefunden das wir übersehen hatten ;-) Und alle 3 leben noch! )

Bild 1  Bild 2  Bild 3

Im Innenraum, in den wir sie erst einmal brachten, saß Lady...auf einem Stapel Spenden;-) Sie bewegte sich keinen Milimeter , ließ sich streicheln, tat aber lieber so als sei sie unsichtbar...wir waren halt Fremde ;-)

Es waren erst wenige Stunden vergangen, ich war fertig als hätte es den ganzen Tag gedauert:-(
Man ist so erschlagen von den Eindrücken, der Hilflosigkeit von der man überwältigt wird...
Wo sollte man dort ansetzen ? Wem zuerst helfen ?

Die Hundehütten sind eine große Erleichterung , dort können sich die Tiere zurückziehen...es wird dort ständig neues Stroh eingestreut , Decken eingelegt...es wird alles versucht um den Tieren das Leben zu erleichtern- aber ist das wirklich möglich ???
Eine Arbeiterin ist dort, jeden Tag 6 Stunden, und kümmert sich um Futter und Wasser- mehr ist nicht möglich...
Auch Evi ist jeden Tag dort nach ihrem „normalen“8 Stunden Job...es ist Schwerstarbeit- mental und körperlich:-(

Bild 1  Bild 2  Bild 3  Bild 4

Nach dem Tierheim fahren wir noch zu Evi's Arbeitsstelle. Es ist eine riesige Schreinerei die Kirchenmöbel herstellt...filigran und wunderschön übrigens ;-)
Da die Firma Evi's Bruder gehört kann sie dort auch ein paar Hunde unterbringen.
Und sogar sehr gut ist deren „Zuhause“ dort, geräumige Ausläufe, trockene, große Häuschen zum Unterschlüpfen!
Aber auch dort sind mind. 30 Hunde zusätzlich...das heisst auch auf der Arbeit warten Hunde …

Bild 1  Bild 2  Bild 3  Bild 4  Bild 5  Bild 6

Dort machen wir eine kurze Rast, wir grillen bei 20 Grad, mitten im Februar ;-)
Die Stimmung ist gedrückt...Evi ist unglücklich und kann es schlecht überspielen. Wir sind geschafft von den Eindrücken des Tierheimes und reden nicht viel...

Bild 1  Bild 2 

Dann müssen wir wieder los, „mal eben“ eine Stunde nach Larissa fahren und Filaki besuchen ! Sie ist ja noch immer in der Klinik. Da wir sowieso noch die Impfpässe der Hunde abholen müssen ist es ein Weg, und wir freuen uns auf die Kleine!
In der Klinik lebt eine 3-beinige Katze, ebenfalls von Evi gefunden, dort operiert und auch dort geblieben – der Liebling aller ;-)
Auch ein blindes Kätzchen lebt dort ein schönes Leben, unglaublich wie sie zurecht kommt und sich entlang der Wand orientiert!

Bild 1

Dann geht es in den Keller ...dort sind die frisch operierten Tiere und warten auf das Ausklingen der Narkose nach OP's, oder eben Fälle wie Klein Filaki, die überwacht werden müssen.
Bei unserem Besuch sind 3 große Hunde an der Wand angekettet, alle glücklich über ein paar Streicheleinheiten...
Selbst dort nimmt Evi sich einen Besen und reinigt mal eben schnell den Boden von Exkrementen, damit die Tiere sich nicht hineinlegen müssen, wechselt das Wasser...

Filaki...ein kleines Häufchen sitzt in der Blechbox...ihr Schwänzchen zappelt leise als wir die Box öffnen und sie sucht Nähe, zaghaft...
Evi meint wir sollen sie herausholen, ich möchte das nicht...es ist so furchtbar, wenn man so ein Tierchen in den Armen hatte, es wieder zurücksetzen zu müssen. In diese kalte, nackte Box:-(
Was muss die Kleine denken...
So ein süßes, kleines Handvoll Hundchen. In ihrem Alter sollte sie herumtoben können, mit anderen Welpen spielen, die Sonne sehen und Gras fühlen.
Sie kann es nicht, weil Menschen sie weggeworfen haben und sie schwer verletzt wurde.
Bald Filaki- bald darfst Du kommen und alles nachholen;-)

Bild 1  Bild 2

Kurz nach unserer Abreise wurde Evi ins Krankenhaus eingeliefert- der Körper macht irgendwann einfach schlapp, so sehr man ihn auch ignorieren möchte und weiter macht bis man umfällt...
Die psychische Belastung ist weitaus größer als die physische...und belastender.

Wir werden weiterhin tun was wir können, mit Ihrer Hilfe , um sie zu unterstützen ...dennoch können wir ihr so vieles nicht abnehmen.

Das schlimmste unserer griechischen Erlebnisse erwartete uns aber erst am Flughafen...wie so oft.

Die Hunde waren bereits eingecheckt und unterwegs in den Laderaum. Nun hatten wir aber noch 2 Katzen in Transporttaschen dabei, die mit uns in die Kabine sollten.
Katzen die keine zahmen Stubentiger sind, sondern noch nie Massen von Menschen auf einmal gesehen haben...
Wir wollten sie für eine andere Organisation mitbringen, damit sie ihr Leben nicht im Tierheim fristen müssen. Behinderte Katzen haben ja keine Chance dort...
Ein dreibeiniger Kater und ein einäugiger Katzenjunge.

Bereits am Schalter wurde es mit den Damen dort besprochen, wir könnten die beiden nicht herausnehmen, weil sie eben in Panik wären. Alles ok- Pässe wurden kopiert, eine Menge Geld bezahlt und es wurde zugesagt dass so alles ok wäre.

Leider stellte sich einer der „wichtigen“ Sicherheitsbeamten stur – Frau Lange war vor mir in der Schlange und versuchte zu erklären warum die Katze nicht aus der Tasche genommen werden könne...
Keine Chance- sie musste es tun.
Der Kater war erst relativ ruhig, sag sich um und verwandelte sich von einer Sekunde auf die andere in einen wilden Tiger ...Frau Lange ( ich bewundere ihren Mut und ihre Stärke !) hat ihn dennoch nicht losgelassen ! Er hat sie sicher 20x gebissen, ihr die Hände aufgeschlitzt – aber sie hat festgehalten ! Ich habe in der Zwischenzeit schnell versucht dem Beamten die leere Tasche zu zeigen, woraufhin er nickte und es für ok befand. Innerhalb von Sekunden lief das alles ab , wir mussten den panischen Kater sofort wieder in die Tasche stopfen!!!
Anderenfalls wäre er auf und davon gewesen, und der Flughafen ein einziges Chaos...

Frau Lange ging mit dem Kater weiter und ich war an der Reihe...auf die Frage des Beamten hin ob der denn genauso wäre habe ich ihm nur geantwortet: Sie können es gerne ausprobieren!!!
Er gab sich damit zufrieden dass ich ihm nur das Innere der Box gezeigt habe indem ich den Kater nur etwas beiseite schob und die Decke auf der er saß anhob.
Alles ok, ich durfte weiter...

Als ich zu Frau Lange kam sah ich erst was passiert war...
Ihre Hände bluteten aus tausend Bisswunden, das Blut tropfte auf den Boden und sie versuchte verzweifelt die Blutungen mit Taschentüchern zu stoppen...
Ein noch „wichtigerer“ Sicherheitsmensch hatte sich zu ihr gesellt und schrie sie an sie solle den Kater nochmal rausholen, er wolle sich die Tasche genauer ansehen!
Natürlich tat sie es nicht! Es wäre eine Katastrophe geworden!!! Und es ging auch gar nicht mit all den Verletzungen!

Ich bat ihn eindringlich bitte jemanden zur ersten Hilfe zu holen und die Wunden versorgen zu lassen, worauf er nur antwortete : „Nein- jetzt nicht !“ Erst sollte der Kater nochmal raus!
Und wenn wir zum Arzt wollten müssten wir eben in den Keller, dort wäre einer.
Da aber mittlerweile viel Zeit vergangen war , und nur noch 10 Minuten bis zum Flug übrig waren, sagten wir ihm dass das nicht ginge, der Arzt solle bitte hoch kommen!
Nein. Keine Chance!
Wir könnten nicht durch den Check wenn der Kater nicht noch einmal herausgeholt würde !
Mittlerweile putze eine Putzfrau um uns herum das Blut vom Boden und schob uns an die Seite...

In meiner Verzweiflung rief ich Kostas nochmals an und bat den wichtigen Sicherheitsmann mit ihm zu sprechen, er sei auch Grieche und die Verständigung wäre einfacher.
Auch das lehnte er kategorisch ab ! Er wolle mit niemandem reden!
Ich erklärte Kostas kurz die Problematik und wir hatten viel Glück, er war noch in der Nähe und kam sofort herein. Versuchte ebenfalls mit dem „Herrn“ zu sprechen, gab aber auch auf.
Es ging ja nicht um die Katze, sondern um seinen griechischen Stolz und die wichtigste aller Aufgaben die er zu erledigen hatte: Menschen, erst recht Deutsche! , zu quälen.

Da mittlerweile auch die Stewardess uns bedrängte nun den Flieger zu besteigen oder er würde ohne uns gehen ( wir hatten schließlich noch die Hunde an die wir denken mussten !!!) übergaben wir Kostas den einäugigen Kater – er musste dort bleiben.
Obwohl bereits ein Beamter das Innere der Tasche gesehen hatte – aber das zählte wohl in dem Fall nicht weil Herr Oberwichtig seine Macht demonstrieren musste...

Wäre es Reisezeit gewesen, und anstatt der ausschließlich griechischen Fluggäste auch Deutsche oder andere Nationalitäten geflogen – es wäre sicher anders gelaufen ! Niemand hätte es wortlos stehen gelassen wie eine verletzte Frau behandelt ( oder vielmehr nicht ! behandelt ) wurde...

Leider mussten wir nun so weiter...Man schubste uns mehr als man uns zum Flieger geleitete. Im Flugzeug angekommen bat ich sofort die Stewardess bitte Frau Lange zu helfen. Diese war wirklich einmalig nett und holte sofort Desinfektionsmittel, Verbände und Pflaster.
Sie gab uns den Glauben an die Menschen wieder, so gut tat das...
Die Sitznachbarn von Frau Lange ergriffen rasch nach dem Start die Flucht , nicht dass man sich noch ansteckte! Auch mein Sitznachbar hatte schnell die Nase voll davon dass ich über seinen Schoss hinweg versuchte mit Frau Lange über die Vorfälle zu sprechen.
Endlich verzog auch er sich auf einen anderen Platz und wir hatten Zeit miteinander zu sprechen.

Beide völlig fertig mit den Nerven. Frau Lange dazu mit wahnsinnigen Schmerzen:-(
Mein persönliches Gefühl war – schwer in Worte zu fassen...
Erniedrigt...fassungslos...beschämt...maßlos enttäuscht...traurig...
Diese angeekelten Blicke der Menschen, diese Überheblichkeit und diese Ausspielung der Macht.

Zusätzlich zu dem, was uns auf der Seele lastete , nachdem was wir gesehen hatten und wieder einmal einsehen mussten dass wir nur zu einem wahnsinnig kleinen Bruchteil helfen können...
Eine Hilflosigkeit macht sich breit...daher dauerte es auch sehr lange bis dieser Bericht endlich fertig war.
Im Moment wissen wir nicht genau wo wir ansetzen, womit und wie.
Die immer währenden Schikanen denen wir und die Tierschützer in Griechenland ausgesetzt werden...die Willkür und die Machtproben...all das macht es uns so schwer zu helfen:-(

Bis dahin hoffen wir weiterhin auf Ihre Unterstützung, Ihre Hilfe...damit wir wenigstens weiterhin die Hunde ab und zu mit Futter beschenken , die Tierheimmiete bezahlen und auch für ein wenig Komfort mit immer frischen Decken sorgen können...